Volksabstimmung 2020:

Das missratene Jagdgesetz schwächt den Artenschutz und die Jagd - deshalb sagen wir Nein!


Es geht um den Artenschutz, nicht um die Jagd

Das revidierte Jagdgesetz schwächt den Artenschutz. Bei den jagdbaren Tierarten und den jagdrechtlichen Vorschriften sieht es hingegen nur unwesentliche Änderungen vor. Es handelt sich deshalb nicht um eine Abstimmung über die Jagd. Es ist für uns unverständlich, dass sich gewisse Jägerkreise an vorderster Front für das Gesetz einsetzen. 


Keine substantielle Verbesserung für die Jagdausübung

Für die Ausübung der Jagd sieht das neue Jagdgesetz keine substantiellen Änderungen vor, somit auch keine wesentlichen Verbesserungen. Die jagdbaren Tierarten sowie ihre Schonzeiten bleiben mit wenigen Ausnahmen unberührt. Das Gesetz beinhaltet weder eine schweizweite gegenseitige Anerkennung der Jagdbefähigung, noch lockert es etwa die Zulassung technischer Hilfsmittel (Schalldämpfer, Nachtsichtgeräte, etc.). Egal wie man sich als Jäger persönlich zu diesen Punkten stellt, bleibt festzuhalten: Für den einfachen Jäger ändert sich in der Praxis fast nichts. Es ist kein Gesetz für den Jäger und betrifft ihn im jagdlichen Alltag kaum. Es braucht keine Kampagne der Jägerschaft für das Gesetz.


Ein Nein zum Jagdgesetz ist kein Nein zur Jagd

Wird das neue Jagdgesetz vom Volk abgelehnt, wird die Jagd nicht gefährdet, auch nicht einzelne Jagdarten wie die Niederjagd. Ein Nein zum Gesetz ist daher kein Nein zur Jagd, sondern ein Ja zum Artenschutz. Wird das Jagdgesetz abgelehnt, gilt das bisherige ausgewogene Jagdgesetz weiterhin. Dieses hat sich bewährt und stellt einen guten Kompromiss zwischen Schutz und Nutzung dar. Ob und in welchem Zeitraum bei einem Nein wieder eine grössere Revision des Gesetzes angegangen wird, ist völlig unklar. Kreise, welche die Abschaffung von Jagdarten wie der Niederjagd fordern, werden das auch weiterhin tun, egal ob das neue Jagdgesetz angenommen oder abgelehnt wird.  Ein Nein zum Jagdgesetz gefährdet die Niederjagd daher nicht.



Wir müssen jagen – und können darum nicht auf Grossraubtiere verzichten

Die Jagd wird unter anderem damit gerechtfertigt, dass das Schalenwild reguliert werden muss, um die Schäden an Wald und landwirtschaftlichen Kulturen zu reduzieren. Während Jahrzehnten war dies sogar die mit am häufigsten verwendete Argumentation für die Jagd. Nun kehren mit den Grossraubtieren die natürlichen Feinde des Schalenwildes zurück und helfen uns bei dessen Regulation. Deren Rückkehr zu begrüssen, ist deshalb im Sinne aller verantwortungsbewussten Jäger – weil auch sie Jäger wie wir sind. Ebenso wie es uns menschliche Jäger braucht, braucht es auch die tierischen Jäger. Das neue Jagdgesetz untergräbt die wichtige Rolle der Grossraubtiere bei der Wildregulation.


Den guten Ruf der Jägerschaft nicht aufs Spiel setzen

Weil das neue Jagdgesetz Möglichkeiten schafft, Bestände geschützter Arten aus rein jagdlichen Interessen zu dezimieren, werden Jäger wieder vermehrt als futterneidische Nutzer wahrgenommen, die unbeliebte Konkurrenten ausschalten wollen. Die Jägerschaft widerspricht damit ihrer eigenen, über Jahrzehnte verwendeten Argumentationslinie, dass die Dezimierung des Schalenwildes ökologisch notwendig sei. Für die Akzeptanz der Jägerschaft ist das gefährlich. Mit dem neuen Jagdgesetz wird die Jagd mehr denn je im Kreuzfeuer der Kritik stehen und damit gefährdet sein. Ein Nein zum Jagdgesetz schützt damit nicht nur bedrohte Wildtiere, sondern auch die Jagd selbst.


Nachsuchepflicht auch ohne das missratene Jagdgesetz

Die Nachsuche von allen beschossenen Wildtieren bildet Teil der Weidgerechtigkeit. Für verantwortungsvolle Jäger ist sie daher bereits heute Pflicht. Mehrere Kantone haben die Pflicht zur Nachsuche bereits in ihren Jagdgesetzen eingeführt. Die bundesrechtliche Verankerung der Nachsuchepflicht ist an sich zu begrüssen und wird von niemandem bestritten. Sie könnte daher rasch und ohne Widerstände in einer neuen Revision eingeführt werden oder liesse sich, gestützt auf das Tierschutzgesetz (Vermeidung von unnötigen Leiden), in der Jagdverordnung verankern. Somit besteht keine Notwendigkeit, dem Jagdgesetz zuzustimmen, nur um eine Nachsuchepflicht zu verankern.


Das Gesetz bringt keine zusätzlichen Wildtierkorridore

Mit dem neuen Jagdgesetz werden keine zusätzlichen Wildtierkorridore saniert und der Bau von Wildbrücken wird nicht beschleunigt. Die Sanierung der Wildtierkorridore ist bereits heute eine bundesrechtliche Verpflichtung und wird schrittweise, wenn auch zu zögerlich, umgesetzt. Mit dem neuen Jagdgesetz werden lediglich die ebenfalls bereits heute obligatorischen Zuleitstrukturen (Hecken etc.) im Umland der Wildquerungen neu vom Bund entschädigt. Heute liegt die Umsetzung dieser Strukturen einzig in der Verantwortung der Kantone. Die Neuerung, den Bund in die Verantwortung zu nehmen für die Zuleitstrukturen, ist positiv, bringt jedoch keine substantielle Verbesserung oder gar Beschleunigung beim Bau von Wildtierquerungen. Natur und Wildtiere gewinnen nichts.


Keine besseren Vorgaben für Regeln für Zäune

Heute fehlen umfassende bundesrechtliche Vorschriften für Zäune in der Landschaft, die Wildtiere gefährden könnten. Daran ändert das neue Jagdgesetz nichts. Denn es erlässt selber keine Regeln, sondern erteilt lediglich den Kantonen die Verantwortung, Regeln zu erlassen. Das ist begrüssenswert. Doch viele Kantone kennen aber schon heute solche Vorschriften und auch in der Landwirtschafts- und Tierschutzgesetzgebung finden sich bereits einschränkende Vorschriften. Faktisch ist die Verwendung von Zäunen somit schon heute weitgehend geregelt. Somit gewinnen Wildtiere mit dem neuen Artikel zu den Zäunen im Jagdgesetz kaum etwas.


Subventionen für die Bekämpfung geschützter Arten

Der Bund erhält mit dem missratenen Jagdgesetz nicht nur die Möglichkeit, finanzielle Abgeltungen für Aufsicht und Aufwertungen von Wasser- und Zuvogelreservaten zu leisten. Sondern er soll auch Finanzhilfen für Massnahmen (sprich Abschüsse) gegen geschützte Arten gewähren. Abschüsse von geschützten Wildtieren wie Wölfen werden mit dem Gesetz auch in den Wildtierschutzgebieten (eidgenössische Jagdbanngebiete) erlaubt. Dies führt in der Konsequenz dazu, dass mit dem Jagdgesetz der Bund die Bekämpfung von geschützten Arten in Wildtierschutzgebieten subventioniert- das ist inakzeptabel.